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Wie reagiere ich, wenn mein Pferd losbuckelt?

  • Tierisch schlau
  • 20. Mai 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Mai 2025

„Buckeln“ (oder umgangssprachlich Bocken) bezeichnet das Ausschlagen mit den Hinterbeinen, oft verbunden mit runtergenommenem Kopf. Das kann verschiedene Ursachen haben: Häufig ist Übermut oder Freude im Spiel – besonders junge Pferde oder solche, die lange standen, machen beim Antraben oder Angaloppieren schon mal einen Freudensprung. Das ist eigentlich kein bösartiges Verhalten, aber natürlich unerwünscht, wenn ein Reiter oben sitzt.



Eine andere häufige Ursache sind Schmerzen oder Unbehagen. Drückt der Sattel oder sitzt der Gurt zu fest, kann dein Pferd aus Protest buckeln. Auch akute Rückenschmerzen (Blockaden, Kissing Spines) oder Zahnschmerzen können Auslöser sein. Wenn dein Pferd plötzlich anfängt zu buckeln, obwohl es das früher nie tat, solltest du unbedingt mögliche Schmerzquellen untersuchen lassen – überprüfe Sattelpassform, lass die Zähne kontrollieren und zieh im Zweifel einen Tierarzt oder Osteopathen hinzu. Eine weitere Ursache ist Überforderung oder Stress: Versteht ein Pferd nicht, was der Reiter will, und fühlt sich „eingekesselt“ (Zügel und Schenkel wirken ein und es weiß keinen Ausweg), entscheidet sich manch Pferd verzweifelt fürs Bocken. Das sieht man z.B. bei jungen Pferden in zu schweren Lektionen.


Dann gibt es noch Pferde, die Buckeln als Abwehr gelernt haben: Vielleicht haben sie früher den Reiter abgeworfen und gemerkt „Ha, dann hab ich meine Ruhe“. Diese cleveren Kandidaten setzen gezieltes Losbocken ein, wenn sie keine Lust haben – das ist schwer zu korrigieren, denn es wurde zum Selbstläufer. Und schließlich: Freude und Energieüberschuss – im Frühjahr auf der Galoppwiese mal einen Bocksprung vor Übermut ist nicht ungewöhnlich. Das ist in Maßen tolerierbar, solange der Reiter damit umgehen kann. – Merke: Ursache analysieren! Ein buckelndes Pferd ist nicht automatisch frech. Geh die Liste durch: Ist gesundheitlich alles ok? Passt die Ausrüstung? Ist das Pferd genug ausgelastet? Nur wenn die Ursache behoben ist, wirst du das Buckeln langfristig abstellen können.


Akut richtig reagieren

Dennoch stellt sich die Frage: Was tun in dem Moment, wo dein Pferd losbuckelt? – Hier heißt es, Ruhe bewahren und dranbleiben. Verliere nicht die Nerven, schreie nicht wild herum, sondern konzentriere dich auf deinen Sitz. Schwerpunkt nach hinten: Lehne dich etwas zurück, um nicht nach vorn über den Hals zu fliegen. Die Beine nach vorne unten drücken (Absätze tief) und Knie an den Sattel – ein fester Sicherheitssitz gibt Halt. Viele Reiter nehmen instinktiv den leichten Sitz ein, aber dabei geht oft der Unterschenkel nach hinten – dann kannst du leicht abgeworfen werden. Besser: Po tief im Sattel, Füße etwas vor, Oberkörper eher hinten ausbalancieren. Festhalten erlaubt: Greif zur Mähne, einem Vorderzeug oder schnall dir präventiv einen „Notriemen“ (auch „Maria-Hilf-Riemen“) vorne an den Sattel. Daran kannst du dich im Ernstfall festhalten, ohne dem Pferd im Maul zu reißen – das gibt Sicherheit.


Buckeln unterbinden

Während du dich stabilisierst, versuche gleichzeitig, dem Buckeln ein Ende zu setzen. Ein altbewährter Trick: Kopf hoch halten! Zieh mit den Zügeln kräftig an, sodass dein Pferd den Kopf nicht zwischen die Beine klemmen kann. Mit erhobenem Kopf ist richtiges Buckeln nahezu unmöglich. Falls dein Pferd sehr stark ist und du den Kopf nicht hochbekommst, wende einen Notfallplan an: Zügel einseitig annehmen und den Kopf zur Seite drehen. Dadurch verliert das Pferd das Gleichgewicht für die Buckelsprünge und muss aufhören, weil es in einen Kreis abdreht. (Achtung: Nicht bei vollem Galopp, da könnte ein Sturz drohen – nur anwenden, wenn es kontrollierbar ist.) In vielen Fällen reicht es, den Kopf hoch und das Pferd energisch vorwärts zu schicken – wenn es vorwärts galoppiert, kommt es aus dem Buckelrhythmus raus. Keinesfalls stehen bleiben und „diskutieren“: Vorwärtsreiten ist meist besser, als das bockende Pferd anzuhalten, denn im Stand kann es erst recht rodeomäßig abheben. Hast du Kopf und Hinterhand wieder unter Kontrolle, reite aktiv weiter.


Nach dem Buckelanfall

Ist die akute Phase vorbei und du bist noch oben – gut gemacht! Jetzt heißt es, direkt weitermachen, damit dein Pferd nicht lernt „Bocken = Arbeit zu Ende“. Bleibe konsequent dran, reite noch einige Runden in allen Gangarten (sofern du dich sicher fühlst). Lobe dein Pferd erst, wenn es wieder normal bei der Sache ist. Sollte es jedoch geschafft haben, dich abzuwerfen, versuche möglichst schnell wieder aufs Pferd (sofern du nicht verletzt bist), damit es keinen Erfolg daraus zieht. Wenn Unsicherheit bleibt, scheue dich nicht, einen erfahrenen Trainer um Hilfe zu bitten.


Vorbeugen ist besser

Hast du einen notorischen Bocker, triff Vorkehrungen. Bewegung vor dem Reiten: Lass ein übermütiges Pferd vor dem Aufsitzen an der Longe ausbuckeln und austoben. Oft sind dann die ersten „Faxen“ weg, bevor du im Sattel sitzt. Ausrüstung checken: Kontrolliere regelmäßig den Sitz von Sattel und Zaumzeug. Viele Buckler verschwinden, wenn ein drückender Sattel gegen einen passenden getauscht wird. Gurt vorsichtig anziehen: Manche Pferde buckeln aus Protest gegen einen hastig strammgezogenen Gurt. Gurtloch für Gurtloch langsam nachziehen und erst kurz vor dem Aufsteigen endgültig festziehen. Training variieren: Ein Pferd, das vor Langeweile bockt, braucht geistige Anregung – baue Stangenarbeit, kleine Sprünge oder neue Übungen ein. Professionelle Hilfe: Wenn dein Pferd buckeln gezielt einsetzt, kann es Sinn machen, einen mutigen Profi-Reiter dran zu lassen. Diese/r kann in einem sicheren Rahmen (z.B. Roundpen) dem Pferd klar machen, dass Buckeln nicht dazu führt, Arbeit zu vermeiden. Wichtig ist dann, dass das Pferd diese Lektion lernt, ohne dass der Reiter abfällt.


Fazit

Losbuckeln ist brenzlig, aber mit dem richtigen Sitz und Vorgehen beherrschbar. Erst Ursache klären, dann reagieren üben. Wenn du weißt, warum dein Pferd bockt, kannst du es gezielt verhindern. Und wenn’s doch passiert: ruhig, tief in den Sattel, Kopf hoch, vorwärts reiten. Übung macht auch hier den Meister – je souveräner du damit umgehst, desto weniger wird dein Pferd buckeln.

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