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Inkontinenz bei älteren Hunden – Ursachen, Behandlung und Alltagstipps

  • Tierisch schlau
  • 4. Juni
  • 7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 18. Juni

Wacht dein Senior-Hund oft in einem nassen Körbchen auf oder verliert er tröpfchenweise Urin im Schlaf? Inkontinenz beim älteren Hund ist ein verbreitetes Problem. Viele betroffene Hunde können ihre Blase nicht mehr vollständig kontrollieren, was zu kleinen „Unfällen“ in der Wohnung führt. Für dich als Halterin oder Halter ist das vielleicht lästig, aber denke daran: Dein Hund macht es nicht absichtlich, und es gibt Hilfe! In diesem Artikel erfährst du alles über die häufigsten Ursachen von Inkontinenz im Alter, wie der Tierarzt die Ursache abklärt, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wie du mit praktischen Alltagshilfen (Hundewindeln, Unterlagen etc.) und Pflege-Tipps das Leben deines inkontinenten Lieblings erleichtern kannst.


Mögliche Ursachen: Warum werden ältere Hunde inkontinent?

Inkontinenz bedeutet, dass der Hund Urin (und selten auch Kot) ungewollt verliert. Insbesondere ältere Hunde und Hündinnen nach der Kastration sind häufig betroffen. Hier einige häufige Ursachen:


  • Altersbedingte Schwäche des Schließmuskels: Mit den Jahren lassen Muskeln und Nerven nach. Der Blasenschließmuskel kann bei Senioren einfach an Spannkraft verlieren. Viele Hunde tröpfeln dann im Liegen oder beim Schlafen, weil der Muskel erschlafft. Dazu kommt, dass ältere Hunde oft arthritische Beschwerden haben und ggf. nicht schnell genug aufstehen, wenn die Blase voll ist.


  • Hormonelle Inkontinenz bei kastrierten Hündinnen: Vor allem weibliche Tiere, die in jüngeren Jahren kastriert wurden, entwickeln im Alter öfter eine sogenannte Sphinkter-Inkontinenz. Durch den Wegfall des Östrogens wird die Harnröhrenmuskulatur schwächer. Solche Hündinnen verlieren typischerweise im Schlaf Urin – oft bemerkt man es am feuchten Fleck, wenn der Hund aufsteht. Auch ältere Rüden mit sinkendem Testosteronspiegel können ähnliche Probleme entwickeln.


  • Harnwegsinfektionen und Blasenentzündung: Ältere Hunde sind anfälliger für Blasenentzündungen oder chronische Harnwegsinfekte. Ständiger Harndrang und Reizung können dazu führen, dass der Hund Urin nicht mehr halten kann. Bei Infektionen treten oft zusätzliche Symptome wie Fieber, Schmerzen beim Harnlassen oder trüber/b blutiger Urin auf – das unterscheidet sie von einer rein muskulären Inkontinenz.


  • Organerkrankungen: Nierenerkrankungen oder Diabetes führen zu vermehrter Urinproduktion, was zwar keine echte Inkontinenz ist, aber dazu führen kann, dass ein alter Hund den häufigeren Harndrang nicht schafft zu kontrollieren. Demenz (kognitive Dysfunktion) bei Senioren kann ebenfalls bewirken, dass der Hund schlicht vergisst, sein Geschäft draußen zu erledigen – die Blase „läuft über“. Bei solchen Hunden sieht man oft auch desorientiertes Verhalten.


  • Neurologische Ursachen: Altersbedingte Bandscheibenprobleme oder Nervenstörungen (z.B. bei Degenerativer Myelopathie) können dazu führen, dass die Nervenimpulse zur Blase gestört sind. Der Hund merkt dann den Füllstand nicht richtig oder kann willentlich nicht mehr steuern, wann er pinkelt. Wenn dein Hund zusätzlich unsicher auf den Hinterläufen ist oder Koordinationsprobleme hat, könnte so etwas dahinterstecken.


  • Prostata-Probleme beim Rüden: Ältere, nicht kastrierte Rüden entwickeln häufig eine Prostatavergrößerung. Diese kann auf die Harnröhre drücken und zu Urintröpfeln oder erschwertem Harnabsatz führen. Entzündungen oder Tumoren der Prostata können ebenfalls Inkontinenz oder “Schwäche” verursachen.


Oft kommen bei Senior-Hunden mehrere Faktoren zusammen. Zum Beispiel kann eine ehemals kastrierte Hündin mit schwachem Schließmuskel zusätzlich eine leichte Blasenentzündung entwickeln – dann wird die Inkontinenz plötzlich schlimmer und fällt auf. Die genaue Ursache zu finden, ist wichtig, denn davon hängt die Behandlung ab.


Tierärztliche Abklärung: Diagnosen auf Spurensuche

Wenn dein älterer Hund vermehrt Urin verliert, zögere nicht, zum Tierarzt zu gehen. Dort wird man zunächst eine gründliche Anamnese erheben: Wann tritt das Problem auf (nur im Schlaf oder ständig?), wie viel tröpfelt oder verliert er, gibt es Begleitsymptome? All das gibt erste Hinweise.


Folgende Untersuchungen sind üblich, um die Ursache einzukreisen:


  • Urinuntersuchung: Per Ultraschall-geführter Punktion oder Katheter entnimmt der Tierarzt eine sterile Urinprobe. Im Labor wird sie auf Bakterien (Hinweis auf Infektion), Kristalle oder Steine und Entzündungszellen untersucht. Auch das spezifische Gewicht des Urins wird gemessen – ist es sehr niedrig, könnte ein Diabetes insipidus (Hormonstörung) vorliegen; ist es sehr hoch, steckt vielleicht Dehydration oder ein Nierenproblem dahinter.


  • Blutuntersuchung: Ein Blutbild mit Organwerten prüft, ob Nierenwerte erhöht sind oder z.B. ein Diabetes mellitus vorliegt (hoher Blutzucker). Auch Entzündungswerte können Aufschluss geben, falls ein Infekt im Körper schwelt.


  • Ultraschall und Röntgen: Mit Ultraschall schaut man Blase und Nieren an – sind Blasensteine sichtbar? Tumore? Ist die Prostata beim Rüden vergrößert? Falls nötig, wird auch geröntgt, um Steine oder Tumoren besser darzustellen. Röntgen kann auch helfen, Veränderungen an der Wirbelsäule aufzudecken, falls ein neurologisches Problem vermutet wird.


  • Neurologische Untersuchung: Zeigt dein Hund Auffälligkeiten, prüft der Tierarzt die Reflexe und die Sensibilität an den Hintergliedmaßen und am Schwanz. So lässt sich feststellen, ob Nervenbeeinträchtigungen vorhanden sind, die zur Inkontinenz beitragen.


Oft ist der Befund nach diesen Schritten klar, manchmal müssen weiterführende Tests (z.B. CT bei Verdacht auf Rückenmarksschäden) gemacht werden. Wichtig ist: Nicht einfach annehmen, Inkontinenz sei „normal im Alter“ – man sollte immer die Ursache suchen, denn viele Ursachen kann man behandeln oder lindern!


Behandlungsmöglichkeiten: Was tun gegen die Inkontinenz?

Die Therapie richtet sich gezielt nach der gefundenen Ursache. Entsprechend vielfältig sind die Ansätze:


  • Medikamente bei Schließmuskelschwäche: Für kastrierte Hündinnen mit hormoneller Inkontinenz gibt es Medikamente, die den Schließmuskeltonus verbessern. Häufig wird Phenylpropanolamin (in Produkten wie „Propalin“) eingesetzt – das stärkt den Blasenmuskel. Auch ein Östrogenpräparat (z.B. Estriol) kann helfen, den Harnröhrenschluss zu verbessern. Allerdings müssen Hormonpräparate unter tierärztlicher Kontrolle gegeben werden, da Nebenwirkungen möglich sind. Bei Rüden mit Prostataproblemen hilft oft die Kastration oder hormonelle Unterdrückung des Testosterons, wodurch die Prostata schrumpft und der Harnabfluss wieder frei wird.


  • Behandlung von Infektionen und Erkrankungen: Liegt eine Blasenentzündung vor, werden Antibiotika (bei bakterieller Ursache) und entzündungshemmende Mittel gegeben. Bei Harnsteinen kommt es auf die Art an: Struvit-Steine kann man oft mit speziellem Diätfutter auflösen, Oxalat-Steine müssen eventuell chirurgisch entfernt werden. Nierenerkrankungen oder Diabetes erfordern jeweils spezifische Behandlungen/Diäten – wenn diese Grunderkrankungen eingestellt sind, bessert sich meist auch das Harnproblem. Demenz kann man mit Diät, Nahrungsergänzern und Medikation (gegen Hirnalterung) zumindest etwas mildern; hier geht es auch viel um Management (häufig rausgehen etc.).


  • Chirurgische Eingriffe: In schweren Fällen von anatomischen Problemen kann eine OP helfen. Hat dein Hund z.B. einen Blasenpolyp oder -tumor, kann dieser operativ entfernt werden. Bei bestimmten Missbildungen (wie ektopischen Harnleitern bei jüngeren Hunden) ist eine Operation oft sogar die einzige Lösung. Sollte ein Bandscheibenvorfall den Nervenweg zur Blase quetschen, kann ebenfalls ein chirurgischer Eingriff nötig sein.


  • Unterstützende Maßnahmen: Zusätzlich zur eigentlichen Ursachebehandlung gibt es diätetische Ergänzungen und Physio-Maßnahmen. Manche Tierärzte empfehlen z.B. Cranberry-Extrakt zur Vorbeugung von Harnwegsinfekten oder Kürbiskernpulver, da dem eine positive Wirkung auf Blase und Prostata nachgesagt wirdgo4vet.com. Auch Akupunktur wird vereinzelt eingesetzt, um die Nerven der Blase zu stimulierengo4vet.com. Diese Ansätze können im Einzelfall helfen, ersetzen aber nicht die klassische Behandlung.


Wichtig: Sprich alle Maßnahmen mit dem Tierarzt ab. Oft braucht es etwas Experimentieren, bis die richtige Medikamentendosis gefunden ist, oder eine Kombination mehrerer Therapien. Hab Geduld – viele Hundesenioren können durch Therapie wieder nahezu kontinent werden oder zumindest deutlich verbessert.


Alltagshilfen: So erleichterst du eure gemeinsame Routine

Unabhängig von der medizinischen Behandlung gibt es zahlreiche praktische Tipps, um mit einem inkontinenten Hund den Alltag sauber und stressfrei zu gestalten. Hier einige bewährte Alltagshilfen:


  • Hundewindeln nutzen: Es gibt spezielle Hundewindeln (Einweg oder waschbar) für Rüden und Hündinnen in verschiedenen Größen. Sie fangen Urin zuverlässig auf und schützen Möbel und Böden. Rüden tragen oft sogenannte Bauchbinden (umschließen den Bauch über dem Penis), während Hündinnen komplette Windelhöschen brauchen. Wichtig: Wechsel die Windel regelmäßig, halte die Haut sauber und trocken, damit keine Hautreizungen entstehen.


  • Wasserdichte Unterlagen und Schlafplätze: Lege die Lieblingsplätze deines Hundes mit wasserdichten Inkontinenzunterlagen aus (solche aus der Humanpflege oder waschbare „Puppy Pads“). Im Körbchen kannst du eine Gummi- oder Nässeschutzmatte unter die Decke legen. So bleibt die Polsterung trocken. Wechsel die Decken im Schlafplatz häufig und wasche sie heiß, um Geruch und Keime zu beseitigen.


  • Häufigere Gassigänge: Biete deinem Senior öfter die Gelegenheit, sich zu lösen. Er kann vielleicht nicht mehr so lange einhalten wie früher. Zusätzliche kurze Gassirunden – insbesondere spät abends und gleich früh morgens – verringern nächtliche Unfälle. Achte auf Zeichen: viele Hunde geben durch Unruhe oder Hecheln zu verstehen, dass sie mal müssen. Je prompter du reagierst, desto besser.


  • Trinkwasser nicht entziehen: Viele denken, man solle dem inkontinenten Hund abends weniger zu trinken geben. Das ist aber kontraproduktiv – ausreichend Flüssigkeit hält die Harnwege gesund und beugt Infektionen vor. Ein leicht dehydrierter Hund bekommt eher Harnsteine oder Blasenentzündung, was das Problem verschlimmern würde. Also lass immer frisches Wasser zur Verfügung; lieber öfter raus als den Wassernapf wegnehmen.


  • Geduld bei Unfällen & richtig Reinigen: Geht doch etwas daneben, schimpfe den Hund nicht. Er kann es nicht kontrollieren und wäre nur verunsichert. Stattdessen: ruhig säubern und weitermachen. Verwende zur Reinigung enzymatische Reiniger oder spezielle Urinfleckenentferner (gibt’s im Tierbedarf), die den Geruch vollständig neutralisieren. So wird der Ort nicht wiederholt markiert. Hab immer Küchenrolle und einen geeigneten Spray griffbereit, um Missgeschicke schnell wegzuwischen.


  • Pflege von Fell und Haut: Bei dauerhafter Inkontinenz kann Urin die Haut reizen. Kontrolliere daher regelmäßig die Haut im Genitalbereich und an den Innenschenkeln. Halte das Fell dort kurz geschnitten, damit es nicht ständig nass ist. Wasche deinen Hund bei Bedarf mit einem milden Hundeshampoo oder wische ihn mit lauwarmem Wasser ab, um Urinreste zu entfernen. Trockne die Haut danach gut und verwende ggf. eine vom Tierarzt empfohlene Schutzsalbe, falls Rötungen auftreten. So vermeidest du schmerzhafte Hautentzündungen durch Urin (Urinaustritt kann die Haut wund machen, ähnlich wie Windeldermatitis bei Babys).


  • Schlafplatz strategisch verlegen: Wenn dein Hund bisher aufs Sofa oder Bett durfte, überlege, ob du ihm nachts lieber einen eigenen Schlafplatz in einem leicht zu reinigenden Bereich anbietest – z.B. im Badezimmer oder auf einem mit PVC ausgelegten Bereich. So musst du nicht jeden Morgen das Sofa schrubben. Alternativ schütze Möbel mit waschbaren Überwürfen oder wasserdichten Auflagen.


  • Treppen und Hindernisse minimieren: Ein älterer, inkontinenter Hund könnte es eilig haben, nach draußen zu kommen. Sorge dafür, dass der Weg zur Tür leicht begehbar ist – z.B. Teppichläufer auf glatten Böden, eine Rampe statt hoher Treppenstufen, etc., damit er schnell hinauskann, ohne zu rutschen oder zu zögern.


Hygiene und Umgang: Ruhe bewahren, Liebe zeigen

Die vielleicht wichtigste „Alltagshilfe“ ist deine Gelassenheit und Zuwendung. Ein inkontinenter Hund merkt sehr wohl, wenn du genervt oder enttäuscht bist. Versuch, Unfälle nicht persönlich zu nehmen. Tadele deinen Hund nie für ein nasses Malheur – er könnte sich schämen oder Angst entwickeln. Bleib stattdessen positiv und lobe ihn überschwänglich, wenn er draußen brav gemacht hat.


Denke daran, wie unangenehm es deinem Hund selbst sein mag, wenn er sich und sein Lager beschmutzt. Viele ehemals stubenreine Hunde wirken anfangs unsicher oder betrübt über ihre Inkontinenz. Hier bist du als geliebter Mensch gefragt, ihm durch Routine, Geduld und Streicheleinheiten Sicherheit zu geben. Mit der Zeit gewöhnt ihr euch beide an neue Abläufe (z.B. Windel anlegen, öfter rausgehen). Für deinen Hund ist es wichtig zu spüren, dass er trotz allem ein braver Hund ist und du ihn lieb hast.


Scheue dich auch nicht, mit anderen Betroffenen Erfahrungen auszutauschen (es gibt z.B. Online-Communities für Hunde-Senioren). Oft erhält man dort praxisnahe Tipps oder einfach moralische Unterstützung.


Fazit

Inkontinenz beim älteren Hund ist gut handhabbar, wenn man Ursachenforschung betreibt und medizinische Hilfe nutzt sowie einige Anpassungen im Alltag vornimmt. Dein Hund hat dich sein Leben lang begleitet – jetzt ist es an dir, ihn im Alter verständnisvoll zu begleiten. Mit Produkten wie Hundewindeln, wasserdichten Unterlagen und häufigerem Gassigehen könnt ihr weiterhin ein harmonisches Zusammenleben führen, auch wenn mal ein Tröpfchen daneben geht. Und vergiss nicht: Viel kuscheln, viel loben – das tut jedem Senior gut, ob inkontinent oder nicht.

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